PGA Championship: Marcel Schneider Vizemeister

Es sollte nicht sein: Mit einem unglücklichen Triple-Bogey am 72. Loch der HDI-Gerling German PGA Championship gab Marcel Schneider den Titel des PGA Champions 2013 noch ab an Florian Fritsch.

von Matthias Lettenbichler - 1. August 2013 19:14

Laatzen bei Hannover - Er hatte die Hand schon am mächtigen Siegerpokal der Deutschen Meisterschaft der PGA Golfprofessionals, doch in letzter Sekunde, respektive am letzten Loch der HDI-Gerling German PGA Championship 2013, musste er sich doch noch geschlagen geben: Marcel Schneider, Mitglied des National Team Germany, hatte im dritten Durchgang des mit 60.000 Euro dotierten Turniers auf der Anlage von Golf Gleidingen in Laatzen vor den Toren von Hannover die Führung übernommen, mit 13 unter Par und einem Schlag Vorsprung vor Maximilian Tschinkel aus Ottobrunn bei München ging er in die Finalrunde. Doch am Ende war es nicht Tschinkel, der Schneider auf Platz 2 verwies, sondern Turnier-Favorit Florian Fritsch: Mit drei Schlägen Rückstand auf Schneider war der 27-Jährige in die Schussrunde des Wettbewerbs gestartet, am Ende gewann er das Turnier und die Sieger-Börse von 10.000 Euro mit zwei Schlägen Vorsprung.

Dass sich Marcel Schneider nach 72 Löchern mit dem Titel des Deutschen Vizemeisters begnügen musste, war die Folge einer am Ende hochdramatischen Finalrunde, in der Fritsch den Druck kontinuierlich erhöht hatte, was bei Schneider schließlich Wirkung zeigte. Mit einem Birdie an Spielbahn 1 war er um 11:10 Uhr exzellent in die Finalrunde gestartet, und wenn auch ein Bogey den Vorsprung an Loch 2 schon wieder zunichte machte, so blieb Schneider dennoch hochkonzentriert. Durch ein weiteres Birdie an Bahn 10 und einen phantastischen Eagle an der 13 wehrte er alle Angriffsversuche von Fritsch erfolgreich ab und stellte auf 16 unter Par. Fritsch, in diesem Jahr bereits dreimal Sieger auf der Pro Golf Tour und in der Saison 2013 insgesamt schon acht Mal ganz oben auf dem Siegerpodest eines Profiturniers, war mit 10 unter Par in die letzte Runde des Wettbewerbs gestartet und hatte sich an die Aufholjagd gemacht. Mit Birdies an den Löchern 1, 7, 10 und 14 gestaltete er diese auch äußerst erfolgreich, nur an Loch 12 musste er ein Bogey notieren.

Drama in drei Akten

Nach Bahn 15, die beide mit Par gespielt hatten, begann das Drama für Schneider, zu diesem Zeitpunkt mit 16 unter Par zwei Schläge vor Fritsch. An diesem Par 5 produzierte Marcel Schneider mit dem zweiten Schlag einen Flyer, sein Ball kam hinter dem Grün auf und sprang von dort ins rot abgegrenzte Uferschilf - und damit ins Wasserhindernis. Aus einer Schräglage rund dreieinhalb Meter unterhalb des Grüns musste Marcel Schneider den gedropten Ball nun zurück aufs Grün und auf die von dieser Position aus kurz gesteckte Fahne spielen. Was ihm mit einem Weltklasse-Lob gelang! Den Putt aus einem Meter verwandelte er sicher und rettete das Par. Fritsch aber spielte Birdie und lag damit nur noch einen Schlag zurück.

Drama zweiter Akt an der 17, ein Par 3 mit Inselgrün. Weil Tschinkel und Fritsch ihre Bälle gefährlich kurz lassen, wählt Schneider ein Eisen mehr - und schlägt seinen Ball über das Grün hinaus ins Wasser. Wieder ein Drop, und spätestens jetzt glauben die rund 100 Zuschauer, dass der Vorsprung endgültig verspielt ist. Doch Schneider zeigt erneut seine Klasse, holt aus - und locht den Chip zum Par! Gerettet!

Vorerst, denn an Tee Nummer 18 folgt des Dramas dritter Akt: Florian Fritsch schlägt als Erster ab und spielt seinen Abschlag ideal aufs Fairway, Schneider ist als Zweiter dran, teet auf - auch er mit dem Driver. Doch just, als er in der Ausholbewegung ist, öffnet eine Zuschauerin hinter ihm einen Klettverschluss an ihrem Equipment. RATSCH! Schneider bricht den Rückschwung ab, lässt den Schläger fallen, geht zur Seite. Sammelt sich, teet neu auf - und jagt den Ball rechts out of bounds!

"Ich wollte ihn einfach mit schnellen Händen spielen, dann wäre er schlimmstenfalls links ins Wasser gegangen und es hätte ein Stechen gegeben. Aber nach dem Abbruch war ich nicht mehr zu 100 Prozent, sondern vielleicht nur noch 70 Prozent fokussiert", so Schneider. Er schlägt einen weiteren Ball, und zum Entsetzen der Zuschauer dreht auch dieser nach rechts ab. Und ist, wie sich bei der Suche herausstellt, ebenfalls out of bounds.

Zweimal out of bounds

Oberschiedsrichter Andrew Duck bringt den 23-Jährigen zurück zum Tee, wo er diesmal ganz locker sein Dreier-Holz schlägt - 320 Meter weit das Fairway hinab. Doch dies war nun schon sein 5. Schlag. Es folgen drei weitere, bis der Ball im Loch ist, und weil Florian Fritsch sicher das Par spielt, jubelt dieser am Ende dieser Deutschen Meisterschaft der PGA Golfprofessionals über den Titel, schreit seine ganze Freude hinaus, nachdem ihn die Kollegen, wie es Tradition ist, in den Teich am 18. Grün geworfen haben.

Natürlich ist die Enttäuschung groß bei Marcel Schneider, und natürlich hatte die Störung dort oben am 18. Tee ganz ohne Zweifel Einfluß auf das Ergebnis. Doch Marcel Schneider lamentiert mit keinem Wort. Er weiß, dass es vor allem der Druck war, den Fritsch auf der dritten Runde ausgeübt hatte, der ihn letztlich zwang, diesen Titel noch einmal aus der Hand zu geben. "Ich habe hier vier gute Runden gespielt und sehr gut geputtet, das intensive Training der letzten Wochen mit meinem Coach Tony Lloyd hat sich voll ausgezahlt. Natürlich bin ich enttäuscht, aber letztlich nicht unzufrieden", so Schneider. "Meine Leistung war sehr gut, und das gibt mir Selbstvertrauen für die kommenden Turniere." Und für kommende Titel, die "Marcel Schneider ganz sicher gewinnen wird", so Stefan Quirmbach, Präsident der PGA of Germany in seiner Siegerrede. Denn dass der Spieler des Golf Team Germany in der Zukunft noch große Titel gewinnen wird, daran hat Stefan Quirmbach nicht den geringsten Zweifel: "Eines Tages vielleicht auch den des Deutschen Meisters."

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